Comprachtschütz/Komprachcice: „Jugend trägt Gedichte vor“
Seit 31 Jahren organisiert die Sozial-Kulturelle Gesellschaft der Deutschen in Schlesien (SKGD) den renommierten Rezitationswettbewerb „Jugend trägt Gedichte vor“. Derzeit laufen die Vorentscheide auf Gemeindeebene, bevor es in die nächsten Runden geht. Auch in Comprachtschütz stellten sich zehn talentierte Kinder und Jugendliche der Herausforderung, mit ihrer Stimme und Interpretation zu überzeugen.
Poesie lebt durch die Stimme – und dieser Wettbewerb zeigt, wie viel Ausdruckskraft in jungen Menschen steckt.
Von humorvollen Versen Heinz Erhardts über die tiefgründige Lyrik Rainer Maria Rilkes bis hin zu zeitgenössischen Werken von Anita Menger oder Heike Trefflich – die jungen Teilnehmenden präsentierten eine breite Palette deutschsprachiger Dichtung. Auf der SKGD-Homepage gibt es eine Gedichtsammlung, von der sich die Schülerinnen und Schüler inspirieren lassen können, aber die Auswahl der Gedichte steht ihnen frei. Bewertet wurden die Vorträge nach Aussprache, Interpretation und Schwierigkeitsgrad, wobei das Alter der Kinder und Jugendlichen berücksichtigt wurde.
Vielfältige Gedichtauswahl und starke Vorträge

Foto: Victoria Matuschek
Die Wettbewerberinnen und Wettbewerber traten in zwei Alterskategorien an: Klassen 4 bis 6 und Klassen 7 bis 8. Unter den Jüngeren konnte Darius Fronczak den ersten Platz für sich gewinnen. Er reflektierte in seinen Rezitationen die Relevanz von Freundschaften mit dem Fazit aus einem Gedicht von Georg Bydliński: „Freunde sind einfach wichtig für jeden. Vormittags, abends, im Freien, im Zimmer… Wann Freunde wichtig sind? Eigentlich immer!“

Foto: Victoria Matuschek
Bei den älteren Teilnehmenden setzte sich Damian Zmarzlik durch. Sein Vortrag des Gedichts „Verzeih mir Herr“ von Anita Menger ging unter die Haut. Mit ernsten Zeilen über Hungersnot, Krieg und soziale Ungerechtigkeit bewegte er die Jury: „Auch dort, wo Frieden herrscht im Land, nimmt Mord und Totschlag überhand. Gewalt gehört zum Alltagsleben, weil Menschen nur nach Reichtum streben.“

Foto: Victoria Matuschek
Damian Zmarzlik zeigte sich zufrieden über seinen Erfolg, für den er viel geübt hatte: „Das dauerte sehr lang… die Gedichte waren lang. Man muss einfach viel Arbeit leisten und sich nicht stressen.“ Der Achtklässler, der einige Jahre in Deutschland gelebt hat, freute sich auf die kommenden Herausforderungen: „Ich werde mich auf jeden Fall gut vorbereiten.“
Seine Lehrerin Gabriela Rosiak, die an der Grundschule in Bowallno unterrichtet, äußerte sich begeistert über sein Talent: „Die Arbeit mit ihm macht mir viel Spaß. Er kann rezitieren, er fühlt das sehr gut und nimmt all meine Ratschläge an.“ Mit Bedauern stellte sie fest: „Ich bereue nur, dass er schon in der achten Klasse ist.“

Foto: Victoria Matuschek
Alle Kinder und Jugendliche erhielten Urkunden und Geschenktüten und können sich nun auf die Wettbewerbe auf Kreisebene im April freuen. Diese werden in verschiedenen Orten der Oppelner Woiwodschaft stattfinden, darunter in Zülz, Rosenberg, Lugnian, Guttentag, Czissek und Proskau. Das große Finale wird am 3. Juni im Studentischen Kulturzentrum in Oppeln abgehalten.
Begeisterung für die deutsche Sprache

Foto: Victoria Matuschek
Trotz der Herausforderungen, heutzutage noch Jugendliche für derartige Deutschwettbewerbe zu begeistern, bleibt diese Art der Auseinandersetzung mit der Sprache ein wichtiger Impulsgeber für das Erlernen des Deutschen. So erinnerte sich auch Anna Dudek, die an der Grundschule in Dometzko arbeitet und seit 17 Jahren die Veranstaltung in Comprachtschütz organisiert, an frühere Zeiten: „Früher gab es mehr Schüler, die freiwillig zwei Gedichte auswendig lernen wollten. Heute ist es schwieriger, Interessierte zu finden.“ Dennoch bietet der Rezitationswettbewerb auch Vorteile für junge Menschen: Gute Noten in Deutsch können durch die Teilnahme gefördert werden. Gewinner erhalten zudem zusätzliche Punkte auf ihrem Grundschulabschlusszeugnis.

Foto: Victoria Matuschek
Das Projekt wird seit Jahren finanziell vom polnischen Ministerium für Inneres und Verwaltung sowie vom deutschen Bundesinnenministerium über den Verband der deutschen sozial-kulturellen Gesellschaften in Polen (VdG) unterstützt. Dank dieses Engagements bleibt der Wettbewerb ein wichtiges Element der Pflege und Förderung der deutschen Sprache und Kultur in der Region.
Die Begeisterung der jungen Teilnehmenden und die Hingabe ihrer Lehrkräfte zeigen, dass Poesie nach wie vor Menschen berühren und verbinden kann. Mit Blick auf die kommenden Entscheidungsrunden bleibt es spannend, welche Talente den Weg ins große Finale in Oppeln finden werden.
Victoria Matuschek